ABC-Etüden15.16.19 – behütet


https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/04/07/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-15-16-19-wortspende-von-vro-jongliert/

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„Nein!“ rief er voller Entrüstung. „Dreimal Nein! Mit dem Hut gehst du mir nicht aus dem Haus, Hertha!“ „Aber wieso denn nicht, Adalbert? Ich finde, der steht mir gut. Und außerdem habe ich ihn von meiner Mutter selig geerbt.“ „Ja, Hertha, deine Mutter ist vor 10 Jahren gestorben. Und die hatte den Hut auch schon von ihrer Mutter, d.h. deiner Oma Mariechen geerbt. Das Ding ist doch mindestens schon hundert Jahre alt und vollkommen aus der Mode!“ „Aber violett steht mir doch so gut und hebt etwas meinen Teint. Ich will keinen anderen aufsetzen, und du kaufst mir ja sowieso nie etwas Neues, weil du dein Leben lang schon immer übertrieben geizig warst.“ „Das ist nicht wahr! Erinnere dich mal, vor vier Jahren habe ich dir doch erst den schönen Wintermantel aus dem Rot-Kreuz-Laden gekauft! Und lenke bitte nicht vom Thema ab, wir sprechen hier über diesen furchtbaren Hut. Im Garten kannst du ihn noch verwenden und meinetwegen Tulpenzwiebeln rein pflanzen, denn aufbewahren brauchst du ihn auch nicht. Wofür denn? Oder glaubst du daran, dass Oma Mariechen noch mal wieder aufersteht?“ Mit einem Schwung riss er ihr den Hut vom Kopf und schleuderte ihn in den Garten, wo schon dieser verdammte Strohhut aus dem vergangenen Jahr lag.

Sie brach in Tränen aus. „Ich hätte mir den Nachmittag mit dir aber kurzweiliger vorgestellt, Adalbert. Warum muss denn immer alles im Streit enden? Nie darf ich machen, was ich will; nie darf ich anziehen, was ich will; nie darf ich mal zusammen mit Emma weggehen, nie bekomme ich mal schicke Sachen zum Anziehen! Ich weiß gar nicht, warum ich mir das mit dir überhaupt noch antue!“ Zornesröte stieg ihm ins Gesicht als er voller Wut ausrief: „Ja dann geh doch zu Emma!“, drehte sich um und marschierte schnurstracks in Richtung seiner Stammkneipe.

(300 Worte)

Bildquellen: lizenzfrei von www.pixabay.de

 

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13 Comments

  1. Was für ein großzügiger Mann! Warum die Frau da nicht dankbar ist, verstehe ich wirklich nicht! Erst vor vier Jahren einen neuen Mantel von der Kleiderspende?! 🤬
    Liebe Grüße
    Christiane

  2. Wie nett ein Second Hand Mantel. Sehr tragisch-komisch.
    Aber der Hut auf dem Bild ist schon grausam, andererseits soll doch jeder tragen was er will, der Einheitsbrei auf den Straßen ist eh viel zu langweilig. 😉
    Grüße, Katharina.

  3. Das erinnert mich an meinen Chemielehrer, der damals ganz stolz vor Pubertierenden berichtete, dass er seinen Töchtern auf dem Flohmarkt die Badeanzüge kauft. Ganz ein stolzer Papa.

    Ich denke, sie wird vielleicht bald auch eine Kleiderspende für Rot Kreuz haben. 🙂

  4. Was habt ihr nur gegen den Hut? Der ist doch schick!
    Mit dem kann man sich bestimmt besser in der Öffentlichkeit zeigen wie mit einem grantigen knausrigen Adalbert.
    Erheiterte Grüße,
    Veronika

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