ABC-Etüden – IM – Opa Fritz


https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/08/18/etuedensommerpausenintermezzo-iv-am-naechsten-tag-war-alles-anders/

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Ausgangspunkt:

Mein Opa hieß mit Vornamen Fritz, aber das durfte ich damals nicht zu ihm sagen. Er war ein Luftikus, der gerne Witze machte, Neues ausprobierte und das Leben liebte.

Eines Nachmittags war er auf das Dach des Wohnhauses gestiegen, um die UKW Antenne zu richten. Radio Bremen kam nicht mehr so richtig rein. Und Opa hörte doch so gerne sonntags den „Klönschnack über den Gartenzaun“.

Wie er so oben auf dem Dachfirst steht, kommt der Postbote mit einem Einschreibe-Brief für ihn an. „Fritz, du musst mal eben runterkommen zum Unterschreiben!“ rief er. Opa Fritz aber erwiderte: „Das kann doch der Junge für mich machen!“ „Nee, nee, Fritz, das musst du persönlich unterschreiben! Ist Vorschrift! Spring doch einfach runter.“ fügte er lachend hinzu. Opa Fritz fackelt nicht lange und schwuppdiwupp springt er vom Dach. Und weil er seine Gummistiefel mit der extra-dicken Sohle angezogen hatte, fängt die den Sprung auf und federt ihn zurück. „Da bleibt mir doch die Spucke weg!“ ruft er noch, springt ein zweites, drittes und viertes Mal mit noch mehr Schwung und ward nicht mehr gesehen. „Denen habe ich heute mal gezeigt, wo der Froschkönig seine Locken hat!“ jubelt er.

Er dosierte seine Sprünge behutsamer, denn je näher er der Küste kam, desto trüber wurde das Wetter. Kurz vor Hamburg, als er gerade wieder einmal fast auf dem Boden gelandet war, rief ihm eine Frau aus dem 12. Stock eines Hochhauses zu: „Kann ich Ihnen helfen?“ Aber Opa Fritz lachte nur.

Doch langsam wurde er müde. „Die beste Art zu landen, wäre wohl im Wasser“ dachte er. Da sah er auch schon die Elbe und mir nichts, dir nichts sprang er mitten hinein. Das Auftauchen vom Grund her bremste ihn ab und er schwamm mit breitem Grinsen zu der Menge, die sich staunend am Strand versammelt hatte.

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Und jetzt geht es weiter:

Am nächsten Tag war alles anders …

 „Opa! Opa! Nun wach doch endlich auf! Draußen stehen `ne Menge Leute und wollen mit dir sprechen!“ Opa Fritz rieb sich die Augen und gähnte kräftig. „Heute ist doch Sonntag! Was wollen die denn, ich bin noch so müde von meiner großen Tour gestern“, antwortete er etwas genervt. „Die wollen Bilder von dir machen. Und stell dir vor, das Fernsehen ist auch da!“

„Ach, so’n dummen Quatsch brauch ich nicht!“, erwiderte Opa Fritz, aber da hatte ihn sein Enkelbub schon durch die Haustür nach draußen geschoben. Zig Blitzlichter flammten auf und blendeten Opa Fritz. „Was wollt ihr denn alle von mir?“, fragte er ganz verdutzt. „Sie sind doch unser Held, Herr Kastens! So etwas wie Sie es gestern abgezogen haben, hat die Welt doch noch nicht gesehen! Und darüber müssen wir natürlich unseren Lesern berichten.“, sagte der Reporter von der Weser-Ems-Zeitung, der als erster das Wort an sich gerissen hatte. „Und wir vom Fernsehen müssen doch auch über Ihre Superkräfte berichten!“, rief der Vertreter vom NDR-Fernsehen dazwischen. „Das ist doch revolutionär, was Sie da vorgemacht haben!“

Opa Fritz zündete sich bedächtig sein Pfeifchen an, obwohl er noch nicht gefrühstückt hatte. „Dann reden wir erst mal über Geld“, sagte er. Nachdem er mit den Geboten zufrieden war, erzählte er den Medienvertretern seine Geschichte, ließ ein paar Fotos von sich mit seinem Enkel machen und verschwand wieder breit grinsend in seinem Haus. „Denen haben wir es aber gezeigt. Ganz schön gelöhnt haben sie für meine Märchenstunde.“

Aber zu beider Überraschung trafen sie im Wohnzimmer auf einen großen Mann mit wirren blonden Haaren und einer beflissen wirkenden Dame an seiner Seite. „Hi, I am Boris“, stellte der Mann sich vor. „Boris?“ fragte Opa Fritz zurück. „Ja, wir haben uns an den anderen vorbei geschlichen“, antwortete die junge Frau in perfektem Deutsch. „Ich bin seine Übersetzerin. Boris spricht leider nur englisch. Und außerdem sind wir in geheimer Mission hier.“ „In geheimer Mission?“, fragte Opa Fritz zurück. „Wie das?“ „We urgently need the name of the manufacturer of your fantastic rubber boots“, sprudelte Boris los. Opa Fritz schaute fragend das junge Fräulein an. „Ja“, sagte sie, „wir sind gekommen, um die Adresse des Herstellers Ihrer Gummischuhe zu erfahren. Wir bezahlen dafür natürlich ein nicht unerhebliches, sagen wir mal, Vertrauensgeld an Sie.“ Opa Fritz schüttelte ungläubig den Kopf und schaute Boris fragend an. „Das ist so“, fuhr die junge Dame schnell weiter, „wir wollen einen Blitzauftrag für Gummischuhe in der Qualität erteilen, wie Sie sie tragen. Wir brauchen ganz dringend ungefähr 850.000 Paar. Und es eilt!!!!“, betonte sie eindringlich.

„850.000 Paar? Ich wird‘ verrückt!, antwortete Opa Fritz. Wofür denn das??“

Boris Johnson, a leadership candidate for Britain's Conservative Party, arrives at offices in central in London

„Big secret“, zischelte Boris daraufhin. Und die Übersetzerin ergänzte: „Damit alle Briten, wenn es zum ungeordneten Brexit am 31. Oktober kommt, blitzartig von einer Sekunde auf die andere die EU verlassen und zurück in ihre glorreiche Heimat springen können!“

„Wow!“, entfuhr es Opa Fritz. „Das will ich sehen!“, und schob Boris einen Zettel mit der Anschrift rüber. „Happy landing!“, ergänzte er noch grinsend.

(497 Worte)

Bild 1: www.pixabay.de

Bild 2: Spiegel online

Zusatzinformation:

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/576011/umfrage/briten-in-den-laendern-der-eu/

 

19 Comments

    1. Danke! Du bringst mich echt ins Grübeln. Meine erste Idee war, ihn für das Militär über den Ärmelkanal springen zu lassen, analog dem Düsenflieger vor ein paar Wochen, aber dann fiel mir das Thema Brexit ein und ich dachte, das kann mehr erheitern. Gruß aus Mittelhessen.

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