ABC-Etüden 45.46.19 – was nun?


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Was nun?

Er trotte durch die regennasse Straße in der Altstadt. Da, schon wieder stieß er mit dem Fuß auf einen angeblich recycelbaren to-go-Becher. Ein paar Meter weiter lag ganz unschuldig eine Styropor-Verpackung von einem Mick-Mäck in der Gosse. „Und das Flaschenpfand ist heutzutage auch wohl nichts mehr wert.“ Verächtlich versetzte er der knitterfesten gelb-grünen Leicht-Flasche einen Tritt. „Verdammt, da demonstrieren die Jugendlichen regelmäßig für Klimaschutz! Das kommt wohl geil an! Aber tun tun sie selbst nichts dafür, dass weniger sinnlos Ressourcen und Energie verschwendet werden. Auch Kondome muss man doch nicht in reißfest versiegelten Einzelstücken aus dem Automaten kaufen. Die könnte es besser lose von der Stange geben, oder in Papiertüten verpackt. Ich habe keinen Bock mehr zu Getrenntsammlung und dem ganzen Aufriss. Landet doch alles zum größten Teil in den Bäuchen der Überseeriesen, die es dann irgendwo im Meer abkippen.“ Gefangen von seinen Gedanken marschierte er weiter. „Und wieso müssen um Mitternacht noch alle Straßenlampen an sein, und vor allem die ganze Heerschar von Ampeln. Ist doch keiner mehr unterwegs. Um halb eins nachts noch bei rot vor der Ampel stehen, das ist doch reine Umweltverschmutzung und so unnötig wie ein Kropf. Warum erlässt die Bundesregierung nicht endlich mal ein Gesetzt, das automatisch für alle Studienfächer ein Pflichtsemester in Nachhaltigkeit vorschreibt?“

Die Wolken hatten sich etwas verzogen. Aber da, ein Himmelsleuchten kündigte eine neue Gewitterfront mit schweren Stürmen an. „Ich muss mich beeilen und nach Hause kommen“, dachte er. „Das ist die sechste Orkanwarnung alleine in diesem Monat.“

Schnellen Schrittes strebte er auf seinen Wohnblock am Rande der Stadt zu. „Wenn das so weitergeht mit dem Klimawandel, dann muss ich doch wohl bald ausreisen. Nur meine Frau muss ich noch überzeugen. Aber wir liegen hier hinter den Deichen im Gefährdungsbereich und werden demnächst wohl absaufen, wenn das so weiter geht.“

 

(300 Worte)

Bilder: lizenzfrei aus www.pixabay.com

Weitergehende Infos zum Thema Recyccling:

https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/plastikmuell-deutschland-recycelt-nur-5-6-prozent-des-abfalls-a-1248715.html

https://www.faz.net/aktuell/generation-plastik/plastik-recycling-in-deutschland-wie-ist-die-recyclingquote-15782613.html

https://www.bmu.de/meldung/das-bmu-klaert-auf-zum-thema-plastikrecycling/

10 Comments

  1. Dass mit dieser Festbeleuchtung auf den Straßen, den Hochhäusern, der Reklame, die die ganze Nacht läuft, ärgert mich auch maßlos: was könnte da für Strom gespart werden.
    Auf die Idee, mal gemeinsam freitags Müll zu sammeln anstelle von nur Protest müßte mal jemand die jungen Leute bringen!
    Hier sammeln die türkischstämmigen Mitbewohner des Stadtteils zweimal im Jahr in Gruppen allen herumliegenden Müll ein.
    Mülltrennung ist ein Reizwort für mich, das ist nichts weiter wie Geschäftemacherei.
    Verpackung: eine Schachtel Moncherie: ein Teil von der Praline in zweifachem Cellophan, das Innenkästchen aus Plastik, die äußere Schachtel Karton, darum wieder Cellophan. Was für eine Verschwendung und ein Wahnsinn. Aber schmecken tun sie gut -:)))
    Zustimmender Grummelgruß zu Dir, Karin

    1. Bei den Moncherie stimme ich Dir zu: viel zu viel unnötige Verpackung. Aber hm, schmecken gut!
      Das Müllsammeln ist m.E. gar nicht sooo sehr das Thema, zumindest nicht bei uns. Der Skandal ist, dass man das Gefühl bekommt, wir als Konsumenten trügen eine Mitschuld, dass die Meere mit Plastik verseucht sind. Ich jedenfalls fahre nicht jede Woche an die See und kippe dort meinen Müll ab. Das sind die unkontrolliert arbeitenden Entsorger. Aber die werden von der Politik nicht mal mit deutlichen Worten an den Pranger gestellt. Und das macht mich wütend.

  2. Recht hast du, lieber Werner. Ich bin durchaus nicht sicher, dass wir, „die Verbraucher“, diesen ganzen Plastik-Verpackungswahnsinn fordern, das ist die Industrie, die will, dass der Kram möglichst lange frisch oder zumindest essbar bleibt, auf dass sie möglichst viel daran verdienen.
    Und diese To-go-Becher: Pfand drauf oder eigene mitbringen, dann löst sich das Problem schnell. Nicht jetzt plötzlich alles aus Papier/Pappe und damit aus Holz! So viele Wälder haben wir nun auch nicht und eigentlich brauchen wir sie für das Klima dringender, als sie zu Toilettensitzen zu machen …
    Es ist echt ein Übel, wohin auch immer (fast) man schaut.
    Liebe Grüße
    Christiane

  3. ich bin ja trotz meiner SEAL-ausbildung
    nich grad der seehund
    sowas überlass ich gern meinen labradorkumpels
    aber das da oben wäre sicher nicht mein strand wenn ich denn einen hätte
    pfandflaschenprobleme hab ich nich
    meine näpfe sind aus edelstahl
    klar wurden die nu auchnich grad klimaneutral hergestellt
    doch sie werden noch vielen generationen
    nach mir als futternapf dienen
    oder sich in ein auto ( dog-mobil )
    verwandeln
    die augenwischerei mit dem pfand is politisch verursacht
    is irgendwo solch saures kohlenzeug drin
    muß es als pfandflasche durchgehen
    und zurückgegeben werden
    wenn drauf steht schmutzi ( also diese neumodernen fruchtpanschmüllcontainer )
    oder gar muhende plastikflaschen
    dann is das nich zu bepfanden
    hallo ?
    wo is denn der große unterschied
    zwischen der aldibierpulle-pet
    und der müllermilch-nich-pet-kanne
    alles nur augenwischerei
    nichmal auf alle glasflaschen is pfand
    was soll denn das ?
    ich will auch saubere strände
    wie soll ich denn die strandhasen jagen
    wenn die sich ständig in müllhaufen verstecken
    können
    gruß bella 🙂

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