ABC-Etüden 47.48.19 – Halleluja


Link zu Christianes Schreibeinladung

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ready-1153149_1920Bild von Wendy Corniquet auf Pixabay

 

Halleluja

Sie hören nicht auf zu verharmlosen, zu vertuschen. Die allein selig machenden Bischöfe und Prälaten, die an vorderster Front stehen und die Reinheit der Lehre auf ihre gelb-weiße Fahne geschrieben haben. Nach viel zu langen Jahren gestehen sie widerwillig und halbherzig ihre Verfehlungen ein: Kamphaus und Wanka, und die vielen anderen aus dem gleichen Stall. Luja, sag ich da!

Aber in ihren Predigten rufen sie auf, wir sollen den Notleidenden in ihrer Unbehaustheit helfen. Sie sollen nicht schwermütig werden müssen, weil sie zurzeit gefühlt am Rande stehen. Der einzige Trost, den sie spenden ist ihre Aussage, der Herr habe auch ein Auge auf sie, auf jeden Einzelnen von uns. Deswegen wollen sie barmherzig sein, die Granden,  und uns ihre Hände reichen. Für einen warmen Händedruck, für ein freundliches Lächeln, um das Herz der Armen, Ausgegrenzten, Verlorenen zu erwärmen. Luja, sag ich da!

Um der Hoffnung Nahrung geben, dass der Herr uns einlädt, jederzeit in sein Haus zu kommen und dort Zuspruch zu erfahren, einen Blick zu erhaschen auf seine Herrlichkeit und sein Versprechen auf eine dauernde Zeit voller Harmonie, ohne Schmerz und Leid: jetzt bezahlen für einen späteren Lohn? Ja, Luja, sag ich da!

Friedenstifter wollen sie sein und haben nach über zweitausend Jahren immer noch nicht begriffen, dass Frieden Vertrauen heißt und nicht auf Misstrauen und Verdammnis fußt. In ihren goldenen Badewannen wird langsam das Wasser kalt. Aber Mainz bleibt Mainz und Lehmann und Nachfolger Kneifer. Luja, sag ich da!

 

(241 Worte)

angel-2973828_1920Bild von Klaus Hausmann auf Pixabay

 

20 Comments

  1. Luja, lieber Werner, klasse! Ja, das ist der Grund, warum die Kirchen immer leerer werden, warum immer mehr Menschen politikverdrossen sind: Was haben „die da oben“ mit uns, dem „gemeinen Volk“ zu tun? Hatten sie es jemals wirklich?
    Ja, ein strukturelles Problem, aber auch ja, es ist groß.
    Gefällt mir sehr, deine Etüde.
    Liebe Grüße
    Christiane 😁👍🕯️🍷

    1. Eine Gardinenpredigt hatte ich eigentlich beabsichtigt und schon fertig geschrieben. Aber bevor ich Türen in Christianes Blog eingetreten hätte, habe ich erstmal bei ihr angeklopft. Und das war gut so, weil sie mir wichtige Tipps hinsichtlich der Qualität des Textes gegeben hat. Also habe ich die Predigt ersteinmal zurück gestellt. Bis ich heute morgen den Artikel über die heuchlerischen Entschuldigungen des Bischofs und des Prälaten las. Und dann hab ich – mit kleinen Übernahmen – den Beitrag neu gefasst und freue mich über Dein Lob.

  2. Meine Oma antwortete mal auf die Frage, warum sie nicht mehr in die Kirche gehe: „Ich kann dazulernen, die Kirche nicht.“ Ich glaube, sie hätte deinen Text gefeiert. 😉
    Grüße, Katharina

    1. Meine Mutter hat immer gesagt: man muss nicht in die Kirche gehen, um ein guter Mensch zu sein.
      Ich bin trotzdem sehr viel später Kirchgänger geworden und war viele Jahre Mitglied im Pfarrgemeinderat. Und dann kam das, was Deine Oma beschrieben hat: die Erkenntnis, hier wird eher zurück geschraubt als nach vorne geblickt. Die Ökumene z.B., die Missbrauchsaffären, Limburgs goldene Badewanne etc. etc.
      Und dann bin ich weggetreten.

      Deine Oma ist/war eine sehr weise Frau.
      Danke!

  3. Danke dir, lieber Werner.
    Mich hat in der vergangenen Woche der heilige Zorn gepackt, als ich Herrn Bischof Ackermanns Aussagen hinsichtlich der Entschädigungszahlungen gelesen habe. Ein Leserinnenbrief ist schon erschienen – leider ziemlich gekürzt. Und jetzt geht der Brief an Herrn Ackermann und unseren Bischof – vielleicht auch ans „Konradsblatt“ (das Kirchliche Heft unserer Diözese), da will ich mich erst noch kundig machen.
    Vielleicht veröffentliche ich ihn ja bei mir als „Wort zum Sonntag!“
    Liebe Grüße
    Judith

    1. Die späten Entschuldigungen sind ja schon ein Skandal an sich, aber was sie sich hier bei uns leisten, schlägt dem Fass den Boden aus und geht genau auch in Deine Richtung.

      Hier ein Auszug von einem Kommentar von Christoph Cuntz aus unserer Tageszeitung:

      „Kommentar zu Prälat Helmut Wanka

      Zwei einst hohe Repräsentanten des Bistums Limburg haben schwerwiegende Fehler eingestanden, als sie vor vielen Jahren mit Fällen von sexuellem Missbrauch konfrontiert waren. Ihre Erklärungen sind von höchst unterschiedlicher Qualität. Der eine, der frühere Bischof Franz Kamphaus, hat sich vollumfänglich zu seiner „schweren Schuld“ bekannt. Der andere, der frühere Personaldezernent Helmut Wanka, hat dies ganz offenkundig nur sehr widerwillig getan und dabei ein halb gares Eingeständnis unterschrieben. Denn die jetzt vom Bistum publizierte Untersuchung des Falls zeigt, dass seine Schuld deutlich größer ist, als er das wahrhaben will. Nach dem Vertuschen kommt das Leugnen. Kein guter Stil. Wozu Wanka verschärfend anzukreiden ist, dass er auch Mitverantwortung trägt für den Missbrauchsfall, wegen dem sich Altbischof Kamphaus schwere Vorwürfe macht. Denn Wanka war schon Mitte der 1980er Jahre Personaldezernent, als das Bistum Limburg den wegen Missbrauchs vorbelasteten Pfarrer Wolfdieter W. vom Bistum Würzburg übernommen hatte. Und er war es auch, als in Mittelhessen abermals Gerüchte hochkochten, Wolfdieter W. habe sich erneut vergangen. Davon ist in Wankas Erklärung nichts, aber auch gar nichts zu lesen. Dazu passt, dass Wanka nicht einmal dazu bereit ist, den Titel „Prälat“ abzulegen, was ihm seitens des Bistums nahe gelegt worden sein soll. Wie es heißt, soll er auch die Empfehlung ausgeschlagen haben, an das Opfer eine Zahlung zu leisten. Wie gesagt: kein guter Stil.“

      1. Die kirchlichen Oberschichten haben ja für den Eigengebrauch höchst interessante Bibelauslegungen. Aber was das für ein hohler Mensch sein muss, der Wert auf eine goldene Badewanne legt …..

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