ABC-Etüden 08.09.2020 -Schweinepups und Jägerlatein?


Link zu Christianes Schreibeinladung

2020_0809_1_300

Vorbemerkung:

Mein Großvater war der Opa Fritz. Wer auf Christianes und meinem Blog mitschreibt/mitliest kennt den waghalsigen Typen mit seinen legendären Gummischuhen ja schon.

Heute kommt ein zweiter Opa dazu, u.z. ist das der Hermann Lüpkes aus der nachstehenden ABC-Etüde. Diesen Hermann Lüpkes hat es – wie meinen Opa Fritz übrigens auch – wirklich gegeben. Er ist nämlich der Opa meiner Frau. Beide Opas kannten sich im wirklichen Leben nicht, denn als ich meine spätere Frau kennen lernte, war Opa Fritz leider schon tot.

Dafür ist die Geschichte von Opa Lüpkes aber eine echte Geschichte und in Delmenhorst, wo er und wir gelebt haben, tatsächlich so passiert. Wir haben uns jetzt wieder daran erinnert, weil unser jüngster Sohn Niels aktuell dabei ist, sich für die Jägerprüfung vorzubereiten, und wir sehen ihn das alte Lüpkes Erbe antreten.

Der Opa Lüpkes war ein Mann, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte und immer zu Späßen aufgelegt war. Wir erinnern uns oft an ihn, werden durch unseren Niels von seiner Art und Aussehen her immer gerne wieder an ihn erinnert.

Wer ein wenig norddeutsches Platt versteht, mag auch mal hier nachlesen, was ich zu seiner Erinnerung geschrieben habe, als er vor vielen Jahren gestorben ist.

 

boar-2256297_1920Bild von Andreas Lischka auf Pixabay

 

Schweinepups und Jägerlatein?

 

„Opa Fritz, Oma sagt immer,  Du hättest nur Schabernack im Sinn. Was ist damit eigentlich gemeint?“

„Da muss ich mal nachdenken, mein Junge. Oh, dazu fällt mir eine Geschichte ein.“

„Erzähl!“

„Also, da war einmal ein Mann in Delmenhorst, den man wohl Hermann Lüpkes rief. Aus Ostfriesland war er her gezogen und hatte dann eine Marie Stowasser geheiratet. Eine schmucke Deern, wie wir hier sagen. Er war Tischler und gleichzeitig passionierter Jäger. Jagdhunde hat er auch gezüchtet. Die meisten von seinen Jagdkollegen waren darüber hinaus Mitglied im Schützenverein. Dieser hatte ein eigenes Vereinsheim, und wenn Feierlichkeiten anstanden, dann halfen Hermann und Marie gerne bei der Bewirtung. Als Entlohnung durften sie später dann im Schützenhaus frei wohnen.“

„Opa, keine Pause! Erzähl weiter!“

„Ja, mein Junge. Also unter den Schützen war auch ein reicher Kaufmann, ich meine Warrelmann hat er geheißen. Auch er war Jäger und sein sehnlichster Wunsch war, einmal ein großes starkes Wildschwein zu schießen. Aber zu der Zeit gab es kaum Wildschweinrotten in unseren Wäldern. Bis Hermann Lüpkes, den alle sehr mochten und den man an seiner roten Nase schon von weit erkennen konnte, sich einen Plan ausdachte. Mit breitem Grinsen kauften sie vom ortsansässigen Metzger einen großen Eber, malten ihn schwarz an und ließen ihn eines Nachts bei Vollmond ins Feld rennen, wo sie wussten, dass Warrelmann gerade dort ansaß, mit der Flinte im Anschlag.“

„Und?!“

„Warrelmann entdeckte das Tier und mit einem gezielten Schuss gelang es ihm, die vermeintliche Basse zu erlegen. War das ein erhabenes Gefühl für ihn! Danach ließ er sich natürlich nicht lumpen: auf diesen Fang erheben wir unser Glas!, meinte er. Aber am nächsten Tag, als beim Ausweiden die Farbe langsam von der Sau rann und er den Betrug bemerkte,  besaß er die Größe, seinen Kollegen diesen gelungenen Schabernack nicht übel zu nehmen!“

(300 Worte)

Opa Lüpkes - Wildschwein

Eigenes Bild aus Familienbesitz – Hermann Lüpkes 2.v.l. – kniend

10 Comments

  1. Ach, lieber Werner, wie schön, wie herzlich! Da schwingt so viel Liebe mit, wenn du davon erzählst. Und das Bild mit den stolzen Herren ist ebenfalls großartig! 😁
    Ganz herzliche Grüße
    Christiane 😁🍵👍

    1. Danke, Christiane! Oft vergessen wir, was wir gerade den Großeltern zu verdanken haben, welche Liebe sie uns zugewendet und und damit mitgeprägt haben. Da ist eine kleine Hommage schon mal angebracht.

  2. Tut mir leid, aber ich kann nicht nachvollziehen was daran lustig sein soll, so ein armes Vieh aus Jux und Tollerei abzuschlachten und obendrein vorher schwarz anzustreichen. Deswegen ist man ein klasser Typ ??

    1. Das Schwein ist ja waidgerecht verarbeitet worden und wäre auch sonst vom Metzger aus an die Verkaufstheke gekommen. Und vergiss nicht, in den 50 und 60er Jahren war die Denke noch nicht so wie heute. Da hat man sich einfach nichts bei gedacht.

      1. Dass das Schwein ohnehin geschlachtet worden wäre, ist schon klar und dass das eine Generation war, die einen oder gar zwei Kriege mitgemacht hat, was nicht besonders empathiefördernd ist auch. Mich hat hauptsächlich irritiert, dass man heutzutage als Anhänger dieser Art von Humor ein „klasser Typ“ sein soll.
        Außerdem halte ich von der Jagd an sich gar nichts. Ich weiß, dass der Wildbestand in Grenzen gehalten werden muss, aber die Lust am Töten ist doch noch was anderes.
        Aber, lieber Werner, nein, ich will hier keine Grundsatzdebatte anstoßen, zumal sich über Humor ebensowenig streiten lässt wie über Geschmack und Vorlieben

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