ABC-Etüden 24.25.20 – Spiegel der Seele


Link zu Christianes Schreibeinladung


Bild von bodobe auf Pixabay 

Spiegel der Seele

„Friedhelm, hab dich in letzter Zeit wenig gesehen!“

„Eugen, seitdem ich diesen dreistufigen Volkshochschulkurs belegt habe „Malen nach Zahlen – für fitte Senioren“ bin ich kaum raus gekommen. Die vielen Hausaufgaben und das Zahlensystem, da erst mal richtig durchblicken, Unterschiede erkennen zwischen geraden und ungeraden Zahlen, einstelligen und mehrstelligen! Ganz schön aufreibend!“

„Und warum bist du extra nach Berlin?“

„Weil, da haben sie einfach die besten Künstler, die auch pädagogisch was drauf haben!“

„Und wie muss ich mir das vorstellen?“

„Zuerst hab ich ja nur den Schwarz-Weiß-Kurs für Anfänger besucht, mich aber schon nach drei Monaten für den Fortgeschrittenen-Kurs  qualifiziert. Klassenprimus! Und dann sind wir langsam ran geführt worden an die Farben. Sehr komplex, selbst der olle Goethe hat jahrelang damit gekämpft, seine Farbenlehre ins Reine zu schreiben!“

„So kompliziert, Friedhelm?“

„Ja, Eugen: jeder musste seinen Tuschkasten mitbringen. Und daran haben wir die Benamung der Farben geübt. Beispiel: Pastell-Grün, helles oder dunkles Grün, ein grau-braunes Grün, ein blau-grün-rotes Grün.  Und dann die Komplementärfarben und die kupferfarbenen Mischvarianten!“

„Und dann habt ihr gelernt, Felder auszumalen?“

„Ja. Das haben sie uns knallhart beigebracht. Wichtig dabei: nicht über den Rand malen, sonst hast du gleich verkackt bei den Lehrern!“

„Und sonst so?“

 „Na ja, wir Künstler leben da so in unserer eigenen Welt! Anders als im realen Leben. Ich sag dir, Eugen, wenn ich da meine Striche ziehe, von 4 nach 5, und dann weiter nach 6,7,8, da öffnen sich ganz andere Perspektiven! Einmal hab ich mich verzählt, einen Strich von 4 nach 8 gemacht. Junge, da gab es aber Zunder von unserem Dozenten! Aber du siehst ja, am Ende hat uns das ganz, ganz weit gebracht. Und heute ist die Vernissage von meinem ersten  Bild. Und das feiern wir!“

„Schön, wunderschön finde ich das. Und der Titel ist so passend:  „Geräteschuppen im Schnee.“

(300 Worte)

Bild aus http://www.pixabay.com – von mir bearbeitet

8 Comments

  1. „Malen nach Zahlen – für fitte Senioren“ … Lieber Werner, ich sitze hier, kichere haltlos vor mich hin und weiß nicht, ob ich ob des Ernstes der Lage lieber weinen oder lachen soll. „Geräteschuppen im Schnee“ ist natürlich die Krönung.
    Du schilderst das so detailliert, dass ich mich frage, womit du so deine Tage verbringst … 😉 *duck&renn*
    Übermütige Grüße
    Christiane 😉

    1. Nach der Lektüre von Renés Büchlein „Die technischen Leiden des Berliners E.“ ging mir immer im Kopf herum, was man denn im sog. „freien und ungebundenen Rentenalter“ in seiner Freizeit alles als Beschäftigung anstreben könnte. Denn da soll man ja VIEL Zeit haben und nicht wissen, was man damit so anstellt. Klar, man könnte auch seine Blockflöten-Kenntnisse aus der Schulzeit wieder auffrischen, aber dann muss man immer sein Hörgerät einsetzen. Beim Malen geht das auch in der Stille und wäre deswegen viel komfortabler, dachte ich mir.
      Du brauchst Dir aber keine Sorgen um mich zu machen, liebe Christiane, so lange es die ABC Etüden gibt melde ich mich bei der VHS nicht an. Beides zusammen wäre zuviel des Guten. *grins*

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