ABC-Etüden – IM II-2020 – Traumreise


Palmengarten, Frankfurt/M.
Vitra-Haus, Weil am Rhein

Verkehrsmuseum in Luzern

Traumreise

Es war eine lange Anfahrt. Die A5 über Frankfurt nach Basel, dann weiter über Luzern und Como nach Mailand, von da aus weiter nach Bologna, Florenz, vorbei an Rom und Neapel, kurzer Stopp in Pompeji, dann in den Schuh und Übersetzen nach Messina. Endlich in Catania Hotel bezogen. 2.114 km abgeritten in drei Tagen. Aber gute Unterkunft gefunden im 4Spa Resort Hotel, Vier-Sterne-Schuppen, aber Hauptsache Meeresnähe. Eigener Strandkorb am blauesten Meer, was wir je gesehen haben. Und dann der Blick auf den Vulkan! Und draußen auf dem Meer kreuzen die Segelschiffe: die diesjährige Windjammer-Regatta. Das war mit einer der Gründe unserer Reise. Meine Begleiterin meinte: „Wie kleine Sahnewölkchen auf einer großen Tasse Meer!“ Das brauchte keinen weiteren Kommentar, so schön war es einfach.

Wir wollten groß ausruhen, uns erst einmal von den Strapazen der Anreise erholen und an das ungewohnte Mittelmeerklima gewöhnen. Aber schon am nächsten Tag zog es uns nicht etwa  in Richtung Ätna, den hatten wir ja ohnehin im Blick, wenn wir Richtung Norden in den Himmel schauten.

Nein, vielmehr zog uns das Wahrzeichen der Stadt magisch an, der Elefantenbrunnen. Es rankte sich ein alter Mythos aus der Zeit um ihn, als Leo III. Papst war und Catania noch Teil des Oströmischen Reiches war. Heliodorus oder Eliodoro, – wie er auch genannt wird – war der Sohn einer reichen Familie und hatte das Ansinnen, Bischof von Catania zu werden. Aber er scheiterte, nachdem bekannt wurde, dass er von einem Zauberer jüdischer Herkunft – so die Legende – in die Geheimnisse der Magie eingeführt wurde. Heliodorus verfasste ein Manifest mit der Aussage, dass er beim ersehnten Erscheinen des Teufels mit demselben einen Bund schließen würde, wenn dieser ihm seine Wünsche erfüllen würde. Im Gegenzug wollte er  dann dem christlichen Glauben abschwören. Ein Schelm, wer da denkt, das wäre tausend Jahre später eine Art Blaupause für Goethes Faust gewesen. Heliodorus jedenfalls hat seine Absichten mit dem Tode bezahlt. 778 wurde er im Achelles Forum in Catania bei lebendigem Leibe verbrannt.

Und damit endet meine Reise, die leider nur eine Traumreise war. In Gedanken höre ich zwar die Todesschreie des Eliodoro, aber hier sind sie nichts weiter als Zwischentöne, Übergang zurück aus dem Stoppelfeld meiner Fantasie in die reale Welt.

(367 Worte)

Comer See mit Isla Comacina
Mailänder Dom
Garisenda-Türme, Bologna
Die Uffzien in Florenz
Kolosseum in Rom
Neapel – Vesuv
Apollon-Tempel in Pompeji
Punto del Faro – Messina
Blick auf den Ätna – Catania
Catania – Elefantenbrunnen
Goethes Reiseroute – Italien

25 Comments

  1. Du hast es mit Bravour geschafft, aus diesem heterogenen Worthaufen eine interessante Geschichte zu zimmern. Ich freute mich besonders über Catagna, wo ich mal für ne Woche abgestiegen war. Es gab Direktflüge von Athen.

    1. Danke, liebe Gerda! Manchmal hat man halt Glück und die Puzzle-Stückchen sind schnell verkittet. Ich hatte zuerst die Idee mit der Reise Richtung Süden. Beim Schreiben fiel mir dann die Reise von Goethe ein, und da habe ich nach einer Verbindung gesucht.
      LG Werner
      P.S. Würde gerne auch mal wieder über Deine Geschichten staunen!

          1. Pardon, ich lese eben meinen Kommi. Wieso schreibe ich Jürgen? Fragte ich mich, hoffend dass du es noch nicht gesehen hast. Tut mir leid, Werner.

        1. Konnte ich mir leider nicht anschauen, weil der Kaspersky verweigert. Aber es wird wohl, wie Werner schreibt, ein Markenname sein. Mein Widerspruchsgeist grüßt deinen 😉

          1. Ach, der Kaspersky verweigert sehr viel 😦
            Mit den Widerspruchsgeistern ist es wie mit den Wölfen, die erkennen sich gegenseitig 😉

          2. Na gut … Kasperskys Ruf, einer der Besten zu sein, kommt nicht von ungefähr und so lange er im Notfall Ausnahmen zuläßt 😉 …
            Mit meinen erwachsenen Verwandten hab ich sowieso keinen Streit, außer mit jenen, welche um die Nachhaltigkeit ihrer Meinung zu unterstreichen, die Bäume ringsum vollpinkeln … so tun glücklicherweise zumeist nur männliche Welpen, die sich ob der Effizienz ihrer Milch-Reißwolfzähnchen nicht sicher sind … 😉

          3. Doch, doch, man kann ihm die zu machenden Ausnahmen auch mitteilen. Nur vergesse ich das leider von jedem Mal aufs andere 😦
            An der Markiererei stört mich hauptsächlich der geruchliche Aspekt.;) Aber gegen ein gepflegtes Wortgefecht habe ich gar nichts einzuwenden. Das ölt die Sprache !

  2. Catania, obwohl 2x besucht, ist mir kaum mehr in Erinnerung. Zu der Zeit fotografierte ich noch nicht und auch Wortfetzen, Gespräche in dieser Zeit tönen auch nicht in die Gegenwart herein 🙃

  3. wunderschöner Trip – und spannende Geschichte mit Heliodorus. Du hast die Wörter so selbstverständlich eingebaut – chapeau! Catania ist auch noch auf meiner Liste…

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