ABC-Etüden IM-III-2020 – Joseph Glidden


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* 18.1.1813   + 9.10.1906

* 18.1.1813   + 9.10.1906

Im Jahre 1879 verfolgte die texanische Regierung den Plan, ein neues Staatskapitol in Austin zu errichten. Die Baukosten von veranschlagten 3.000.000 US-Dollar sollten über die Vergabe von freiem texanischen Weideland gegenfinanziert werden, sprich 3.000.000  Acres. 1882 wurde man sich mit einer Investorengruppe aus Chicago unter der Führung von Charles B. Farewel und Jon V. Farewel  handelseinig. Damit entstand 1885 die größte Ranch der Welt: die XIT-Ranch. Die Grenze der Ranch folgte auf 300 Kilometern der texanischen Landesgrenze zu New Mexico, von da aus reichte sie 20 bis 30 Kilometer ins Innenland von Texas.

Gehalten werden sollten auf der Ranch Longhorn-Rinder, weil diese gut an die harten Lebensbedingungen der Great Plains angepasst waren.

Aber wie sollte man diese riesige Rinderfarm betreuen und vor allem sichern? 3.000.000 Acres oder umgerechnet etwa 12.000 Quadratkilometer waren schließlich kein Pappenstiel, zumal die Planung auf eine Gesamtzahl von Rindern von mindestens 150.000 Longhorns hinauslief. Die Wasserversorgung musste ebenfalls gesichert sein: für das riesige Gebiet ging man von 325 Windmühlen und ca. 100 Staudämme aus. Bisher nie gekannte Dimensionen!

Eine andere Frage war, die Personalkosten in den Griff zu bekommen. Und hier zeichnete sich seit 1873 eine einschneidende Veränderung in der Weidewirtschaft ab: Joseph Glidden hatte zu diesem Zeitpunkt sein erstes Patent für Stacheldraht erhalten. Und mit Stacheldrahtzäunen konnte man das ungehinderte Abtreiben von Vieh über die Great Plains nach Norden verhindern. Man machte sich auf der XIT-Ranch sofort daran, Zäune zu errichten. In 1985 schaffte man es, bereits 476.000 Acres für 50.000 Rinder so zu sichern. Die eingezäunten Bereiche wurden nach und nach für 150.000 Rinder ausgeweitet, 2.400 km wurden letztendlich eingezäunt. Und man kam mit lediglich knapp 200 Cowboys für die Betreuung des gesamten Farm-Areals aus.

Gliddens Erfindung wurde ein riesiger Erfolg beschert: der 1852 von der Regierung in Washington erlassene Homestead Act, welcher jedem Farmer 65 Hektar Ödland zur Bearbeitung zusicherte, konnte nun wirksam umgesetzt werden: die Farmen geschützt  durch  Stacheldrahtzäune. Bald ist das einst offene Farmland von Drahtzäunen übersät: sie sind billig zu produzieren, auch auf große Distanzen einfach zu installieren und dabei so wirksam wie kein anderer Zaun.

Im Jahre 1906 stirbt Joseph Glidden als einer der vermögendsten Unternehmer Amerikas.

P.S.:

Sieben Jahre vor Gliddens Tod beginnt die „zweite“ Karriere des Stacheldrahts: als Grenzbefestigung gegen Menschen. Im Burenkrieg von 1899-1902 sperren britische Truppen ihre Feinde erstmals in mit Stacheldraht umzäunten Lagern ein.


By Unknown author or not provided – U.S. National Archives and Records Administration, Public Domain

3 Comments

  1. Eben. Wenn ich an Stacheldraht denke, dann denke ich mitnichten an Rinder oder den Wilden Westen, sondern eher an den von dir letztgenannten Zweck. Okay, ich bin auf dem Land aufgewachsen, wo es Kühe gab, es liegt mir also nicht total fern, aber das wusste ich nicht. Danke für Info und Erklärung, lieber Werner! 😁
    Liebe Grüße
    Christiane

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