Der Dienstag Dichtet – Recht(e)haber



Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 

Prolog:

In der 19. Wahlperiode der BRD wurden Stand 3.8.2020 von Bundesrat und Bundestag

bisher 601 Gesetzesvorhaben eingebracht.

Im Jahr 2019 haben die Staatsanwaltschaften in Deutschland rund 4,9 Millionen Ermittlungsverfahren in Strafsachen abgeschlossen. Das waren ähnlich viele erledigte Verfahren wie im Jahr 2018 (ebenfalls rund 4,9 Millionen).

Gott als Alleinherrscher kommt mit 10 Geboten aus.

Sollte uns das nicht zu denken geben?

Recht(e)haber

wir degenerieren

zu einem

Staat von Krämerseelen


Bild von Gerd Altmann auf Pixabay 


Dies ist eine Aktion, die von Katha kritzelt ins Leben gerufen wurde. Jeden Dienstag wird ein selbst-geschriebenes Gedicht veröffentlicht.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen.
 
Mit von der Partie sind bisher:

Stachelbeermond            Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams    Findevogel
Wortverzauberte                    Ein Blog von einem Freund
Lyrikfeder                               Nachtwandlerin
Lindas x Stories                      Myriade
Gerda Kazakou                       Gedankenweberei
Myna Kaltschnee                    Wortverdreher
Lebensbetrunken
 
Und ich.

12 Comments

  1. Einerseits stimmt das natürlich. Andererseits kommen Demokratie und Rechtsstaat sicherlich auch deswegen nicht mit den immer gleichen 10 Geboten aus, weil sie nichts Statisches, sondern immer in Bewegung sind und sich mit immer neuen Entwicklungen konfrontiert sehen, denen sich sich mittels neuer Gesetze bzw. Veränderung und/oder Erweiterung alter Gesetze anpassen müssen. Die Religion hingegen ist – und ich spreche hier natürlich nur für mich – aus meiner Sicht der Inbegriff von etwas Statischem. Deshalb kommt man hier mit nur 10 Geboten vielleicht sehr viel länger über die Runden. 🙂

    1. Weiss ich nicht. Um muendiger Bürger zu sein, müsste man ja eigentlich alle Gesetze kennen und gelesen haben. Dann hätte ich aber gar keine Zeit, noch meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Es muss also ein übergeordnetes Verständnis geben, an dem ich mich leicht orientieren kann, u.z. nicht nur heute, sondern auch morgen.

      1. Ich denke, wir haben hier unterschiedliche Herangehensweisen. Während du vorrangig das Inidividuum als solches betrachtest, habe ich eher das „große Ganze“ im Blick. Auf das Individuum bezogen, hast du sicherlich recht, dass es da eine Art übergeordnetes Verständnis geben muss. Ob das dann auf Religion fußen muss, weiß ich nicht, schließlich kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass man auch dann einen recht brauchbaren moralischen Kompass entwickeln kann, wenn man gänzlich religionsbefreit erzogen wird, wobei das natürlich nichts anderes ist als anekdotische Evidenz. 🙂

        Ich betrachte da, wie gesagt, eher das große Ganze. Das Land, die Demokratie, den Rechtsstaat, man mag es nennen, wie man will. Und wenn man das betrachtet, kann man meines Erachtens nur zum Schluss kommen, dass eine fortwährende Entwicklung der existierenden Gesetze unumgänglich ist, sofern man beispielsweise nicht versuchen möchte, mit einem unveränderten Telekommunikationsgesetz aus den 90ern das Internet zu regulieren. Das ist eher das, worum es mir geht, dass eine hohe Anzahl neuer oder veränderter Gesetze nicht unbedingt heißen muss, dass hier die Regulierungswut von Krämerseelen regiert, sondern dass das eben auch ein Indikator dafür sein kann, dass unser Rechtsstaat noch intakt ist. Die Ausnahme hiervon bildet das Steuerrecht! 😉

        1. Für mich ist das Große Ganze eher der Mensch und nicht Formalitäten. Letztere müssen sicherlich auch sein, aber sie müssen durchgesetzt werden, damit keiner in „Versuchung“ gerät, sie zu umgehen. Ob Kriminalität in der Strasse um die Ecke oder Cyber-Kriminalität: das BEWUSSTSEIN ist doch eigentlich das Entscheidende.

  2. Es ist aus meiner Sicht eine ziemliche Fehlentwicklung für alles, was irgendwie mal passiert ist, oder passieren könnte, immer nach dem Gesetzgeber zu rufen. Je mehr verschiedene Tatbestände man zu regeln versucht, desto schlechter werden die Regelungen. Aus meiner Sicht läuft gerade das, was man in Gesetze zu pressen sucht, immer Gefahr statisch zu werden. Die Genialität der Väter des Grundgesetzes (oder auch der 10 Gebote) wurde aus meiner Sicht nie wieder erreicht. Was m.E. weniger am Gesetzgeber liegt, als an der Risikoaversion unserer heutigen Gesellschaft …

    1. Da hast Du sicherlich recht. Man hört es ja alleine schon aus dem Kita- und Schulbereich, mit was Eltern schon alles drohen und um was prozessiert wird, was früher per „Machtwort“ auf dem kurzen Wege geregelt und entschieden wurde. In vielen Fällen eine befauerliche Entwicklung.

    2. Ich persönlich finde, dass Gesetze gerade etwas sind, was nicht statisch ist. Denn sie können ja je nach Bedarf immer wieder neu verabschiedet, verändert oder auch verworfen bzw. gestrichen werden und tragen damit der Entwicklung in einer Gesellschaft Rechnung. Selbst das erwähnte Grundgesetz ist ja schließlich nicht mehr in seiner Fassung von 1949 gültig, sondern wurde seitdem über 60 Mal verändert, ergänzt oder auch durch Aufhebungen einzelner Bestimmungen verkürzt.

      Das gilt natürlich nicht für den Teil des Grundgesetzes für den die Ewigkeitsklausel gilt, in diesem Bereich ist das Grundgesetz tatsächlich statisch. Aber natürlich auch aus gutem Grund. 🙂

      Dass wir vermehrt in einer Gesellschaft leben, in denen Menschen beispielsweise vor Gericht ziehen, weil sie mit der schulischen Bewertung ihrer Kinder nicht einverstanden sind, steht auf einem anderen Blatt und ich finde das selbst mehr als gruselig.

  3. Das ist ein seeehr interessanter Punkt. Vielleicht liegt die anfängliche Einfachheit des Grundgesetzes (und der 10 Gebote) am „Punkt Null“, an dem sie begonnen haben. Wenn nichts mehr da ist an Gesetz (oder noch nicht da), muss man mit irgendetwas anfangen. Und das wird dann immer mehr verfeinert, ausgebaut, umgangen, wieder gestopft, wieder umgangen, besser gestopft, anderen Zeiten angepasst… usw. Rückgängig machen oder rückbauen stelle ich mir ziemlich schwierig vor. Da bräuchte es wieder einen Punkt Null, an man neu anfängt. Und den wünsche ich niemandem, denn vermutlich müsste vorher etwas passiert sein, das den Punkt Null möglich macht. Dann lieber mit allen Auswüchsen leben.

    1. Ich glaube, die ursprüngliche US- Verfassung hatte vorgesehen, dass alle Gesetze nach 30 Jahren auf Notwendigkeit überprüft werden sollten. Ich weiß aber nicht, ob das tatsächlich praktiziert wurde oder wird.

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