Der Dienstag Dichtet – S-O-S



Bild von Wokandapix auf Pixabay 

S-O-S …—…

-.-.-

mit jeder Zeile,

mit jedem Gedanken

schicke ich Buchstaben

und Worte

ins virtuelle Gefängnis,

verriegele meine Ideen durch sie,

lege sie in Satzketten,

damit sie mir nicht entwischen,

zementiere ihre Füße in Wortbeton

und stapele sie in Worthülsen.

Zuweilen stelle ich sie an den öffentlichen Pranger:

Verriss oder Applaus

oder auch nur Achselzucken,

alles zerreißt mir die Brust,

aber wie betäubt

ersäufe ich weitere Buchstaben,

als wären sie ein Rettungsring für mich.

.-.-.


Bild von Alexas_Fotos auf Pixabay 


Dies ist eine Aktion, die von Katha kritzelt ins Leben gerufen wurde. Jeden Dienstag wird ein selbst-geschriebenes Gedicht veröffentlicht.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen.
 
Mit von der Partie sind bisher:

Stachelbeermond            Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams    Findevogel
Wortverzauberte                    Ein Blog von einem Freund
Lyrikfeder                               Nachtwandlerin
Lindas x Stories                      Myriade
Gerda Kazakou                       Gedankenweberei
Myna Kaltschnee                    Wortverdreher
Lebensbetrunken
 
Und ich.
 

18 Comments

    1. Es ist immer eine Ausnahmesituation, mit seinen Worten in den Clinch zu gehen, um sie zu einer Aussage „hin zu biegen“ oder sie fliegen zu lassen. Auch immer darum bemüht, dass sie einem selbst gefallen, dass Andere sie vielleicht auch gerne lesen, wenn man sie in den Blog-Pranger gesetzt hat, wo sie „nackend“ da stehen und auf Reaktion hoffen.

      Aber egal, wie die Reaktion ist: man gibt nicht auf: keine Gnade!

  1. Tja, sehe ich auch so – da müssen sie durch, die Buchstaben, dafür sind sie da. Obwohl es ein hartes Los sein kann! Und ohne sie würde zumindest mir ziemlich vieles durch meine Gedankenwälder entwischen, sich verstecken und unterm Laub seltsame Wurzeln schlagen. Sehr interessante Überlegungen! So habe ich Wörter und Buchstaben auch noch nie leiden sehen.

    1. Ja, ich denke, dass sie mit uns leiden. Sie geben uns ja auch ein feed-back, direkt beim Schreiben: passt, passt nicht, anders sagen, das klingt nicht gut. Aber auch im Satzverbund oder in der Hülse: flüssig oder nicht, zu schwulstig oder authentisch …

      1. Es gibt Wörter, da hatte ich schon Überlegungen, ob die Buchstaben da eigentlich gern drin sind. „Fleisch“ ist so ein Wort. Ich mag es einfach nicht, keine Ahnung, warum nicht. Ich bin keine Vegetarierin.

  2. Deine Zeilen wirkrn auf mich bedrückend. Nicht wegen dem Gefängnis sondern dem Pranger. Worte zu fangen, ist ok, aber über sie urteilen zu lassen, hat eine eigene Dimension. Vielleicht muss man einige Worte einfach wieder freilassen.

    1. Liebe Katha: das ist ein weiterer Aspekt den Du da einbringst und der aktuell gerade stattfindet. Heute bewerten wir wieder Worte wie Zigeunerschnitzel, Führerschein, Mohrenapotheke. Ganze Heerscharen an Verwaltungsbeamten durchforsten im Moment die Straßennamen von Städten, um sie einer „politischen Korrektheit“ zuzuführen.

      Mir ging es primär eigentlich nur um den persönlichen Kampf beim Schreiben, bis man die richtigen Worte gefunden hat, es sei denn, sie fließen einfach aus einem heraus.

      1. Sry, da habe ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. 😅 Ich meinte auch die persönlichen Worte. Sobald man etwas schreibt, setzt man das Geschriebene einem Urteil aus. Erst dem eigenen und dann dem der Anderen.

  3. Ich denke auch, dass es manchmal einfach nötig ist, Worte in Satzketten festzuhalten – denn wie schade wäre es, wenn diese entwischen? Außerdem fügen sich diese Satzketten bei dir oft zu einem wunderschönen Ganzen zusammen – und können vielleicht ja sogar ein Rettungsring für dich sein? Sehr interessante Gedanken, deine Worte bringen mich zum Nachdenken!

    1. Ja, ein Ganzes zusammensetzen aus einzelnen Gliedern, Teilen: das steht natürlich dahinter. Und meistens ist das schon eine Art von Ringkampf mit sich selbst und das Erreichen des Zieles schon sehr „schweißtreibend“.

      Aber der Lohn sind dann Kommentare wie Deiner!

  4. … lege sie in Satzketten, damit sie mir nicht entwischen …
    Bei dieser Formulierung kam mir spontan „Wortsklaven“ in den Sinn und die Überlegung: Sind Worte unsere Sklaven, da wir sie ja beliebig einsetzen, bis sie ausgelaugt, verbraucht oder unbeliebt sind?
    Oder sind wir die Sklaven der Wörter, da sie nur durch uns zum Leben erweckt werden, sie also uns und nicht wir sie ausnutzen? Oder ist eine Symbiose, von der Wir und die Worte profitieren?
    Schönes Gedicht, das zum Nachdenken anregt!

  5. Oh man Werner, haben wir heute morgen das gleiche Zeug geraucht?
    Lass Deine Worte frei! Gefangene Worte öffnen keine Horizonte. Und ein Verriss bedeutet, dass du zumindest einen Menschen dazu gebracht hast, so etwas ähnliches zu tun wie: Denken!

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