ABC-Etüden – C+B+M II


Zuerst veröffentlicht in Christianes Blog unter dem folgenden Link:

Link zu Christianes Schreibeinladung

C+M+B – II

Melchior war außer sich. „Caspar mit seiner dusseligen Kifferei gefährdet unser ganzes Projekt!“ Balthasar ergänzte: „Das war nicht der leuchtende Stern. Das war so ein Experiment von den Ungläubigen mit den von Feuer getriebenen Ballons. Wie die Geschichte damals mit dem brennenden Hollerbusch: nichts als heiße Luft also!“

„Caspar! Wir ziehen weiter und suchen nach dem guten Stern, der uns zum Messias führen wird.“,

übernahm Melchior wieder die Führung.

 Nach Wochen  entbehrungsreicher Reise kamen sie an den Dschebel Musa und machten sich an den beschwerlichen Aufstieg  durch die Nebelschwaden zur Elija-Mulde. „Vielleicht werden wir ja hier über den weiteren Weg erleuchtet!“, meinte Balthasar. „Außerdem wird uns eine Rast guttun, bis sich auch das letzte Kamel für die Weiterreise vollgesoffen hat!“

Tage später: „Du, Melchior, nachdem wir jetzt sozusagen entschleunigt haben, möchte ich noch einmal den Sinn unserer Reise zur Diskussion stellen.“ „Nun, Caspar, sprich weiter!“, ermunterte ihn Melchior. „Was bedrückt dich?“

 „Ist das denn alles wahr, was wir glauben?“, fragte Caspar nach einigem Zögern. Plötzlich mischte sich Balthasar ein: „Du immer mit deinen albernen Grundsatzdiskussionen! Sind wir denn Glücksritter, die das rosa Lama im Morgenland finden wollen? Wir suchen nach dem Erlöser, kapier das endlich!“

Caspar ließ nicht locker: „Finden wir denn nicht Sinn genug im Klang der Schalmei, im Tanz der Gedanken und den Wirbelstürmen unserer Fantasie und im Minnesang? Welche Haltestangen sucht ihr denn noch, um unser Leben ohne schlechtes Gewissen voll Freude zu genießen?“ Er blies genussvoll den Rauch seiner Shisha in die klare Abendluft und zerbröselte dabei gedankenverloren  einen Lebkuchen.

Melchior war nachdenklich geworden. „Schau, Caspar, es geht nicht um die Frage angstfreien Genießens. Es geht vielmehr um Verzicht, um Nachhaltigkeit und Seelenhygiene!“

„Also, was machen wir?“, fragte Balthasar nach einer langen Pause.

 „Wir halten weiter Ausschau!“, antwortete Melchior, „und warten auf das Wunder der Geburt!“

(300 Worte)


Bild von kalhh auf Pixabay 

Der ersten Teil der Wanderung von C+M+B siehe unter:

https://wkastens.wordpress.de/2019/12/16/20-cmb-19

12 Comments

  1. Auch hier: Vielen Dank für die wunderbare Adventüde und dass du das ganze Jahr über so engagiert bei den Etüden dabei bist! Ich bewundere deinen unerschöpflichen Sack guter Einfälle sehr 😁👍
    Du weißt, dass du jederzeit bei mir zum Kommentieren erwünscht und willkommen bist, ja? 😉
    Morgenkaffeegruß 😁🌥️☕🍩👍

  2. Ich gehöre eher zu den Caspar-Fans -:)))
    Auch ich bewundere Deine übersprudelnde Fantasie und danke Dir dafür – sie ist ja meist hintersinnig und regt zum Überdenken an – ich glaube, Du wärst auch ein guter Lehrer geworden -:))
    Hab noch eine schöne Voradventszeit, Karin

    1. Wollte ich tatsächlich mal studieren: Lehramt, zusammen mit meinem besten Freund. Aber das Geld war damals knapp und ich bin dann lieber in die Welt hinaus gegangen, weil ich auch dem Wehrdienst entkommen wollte. Und etwas kindliche Fantasie habe ich mir immer behalten können.

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