Sternenbruder


Bild von Free-Photos auf Pixabay

Sternenbruder

nie wirklich gekannt

doch ich hör dich rufen

ich durchschwamm

als erster den Kanal

du hast dich verwickelt

bliebst hängen

am Strang des Lebens

stückweise sagt man

war dein Schicksal

treffe ich dich wieder?

Bild von Michael L. Hiraeth auf Pixabay 

Dies ist eine Aktion, die von Katha kritzelt ins Leben gerufen wurde. Jeden Dienstag wird ein selbst-geschriebenes Gedicht veröffentlicht.
Wer sich anschließen will, ist herzlich willkommen.
 
Mit von der Partie sind bisher:

Stachelbeermond   Mutigerleben
Wortgeflumselkritzelkrams
Findevogel   Berlin Autor
Nachtwandlerin   Lindas x Stories
La parole a été donnée à l’homme
Gedankenweberei   Emma Escamila
Wortverdreher   Lebensbetrunken
Vienna BliaBlaBlub   Heidimarias kleine Welt
Traumspruch
Und ich.

17 Comments

    1. Für meine Mutter, die gar nicht wußte, dass sie mit Zwillingen schwanger war und es erst ein paar Tage hinterher erfahren hat: das weiß ich nicht, wie sie es verarbeitet hat. Jedenfalls hat sie niemals darüber gesprochen und ich habe es auch erst so mit 15 oder 16 erfahren. Auch mein älterer Bruder hatte es vorher nicht mitbekommen.

    1. Ich habe ihn in dem Sinne nie vermisst, weil es in der Familie nie ein Thema war, ich es erst mit 15 oder 16 beiläufig erfahren habe und mir auch nicht sicher war, ob denn die Geschichte, so wie sie erzählt worden war, wirklich gestimmt hat.
      Erst jetzt vor ein paar Wochen ist mir die Tatsache viel bewußter geworden, weil nämlich ancestry, wo ich schon vor vielen Jahren einen Stammbaum hinterlegt hatte, ganz plötzlich mit einem Dokument aufschlug, das ich vorher nicht gekannt habe und auch nie in dem Nachlass meiner Eltern gefunden hatte. Und das war ein standesamtlicher Eintrag über die Totgeburt meines Zwillingsbruders, gemeldet von dem Krankenhausarzt, der, wie auch immer vorher oder im Nachhinein, in die Geburt mit einbezogen war. Ich vermute, erst nachdem die Hausgeburt Komplikationen aufwies, die man nicht vorher gesehen hatte. Klinikentbindungen gab es ja damals noch nicht als Standard.

      1. Das würde mich auch beschäftigen, klar. Natürlich, es ist eigentlich logisch: Gibt es eine Totgeburt, muss es gemeldet werden, damit ist es dann „amtlich“. Ich stelle es mir auch reichlich schlimm für deine Mutter vor: zu erfahren, dass sie mit zwei Kindern schwanger war und dass eins es nicht geschafft hat … 🤔
        Es wird dich vielleicht nicht interessieren, aber bei Familienaufstellungen würde dein Bruder einen Platz bekommen, damit das System stimmig ist/wird.
        Danke für deine Antwort. 😁👍

        1. Meine Mutter hat nie darüber geredet, mein Vater auch nicht, nur mein Opa hat immer gesagt: wenn deine Mutter lachen will, geht sie in den Keller. Kann sein, dass sie aus diesem Grunde so still war.

          1. So was über jemanden zu sagen, zeugt aber auch nicht von so wahnsinnig viel Empathie, auch wenn es nicht böse gemeint gewesen sein sollte …
            Vermutlich wussten deine Eltern nicht, wie sie darüber sprechen bzw. damit umgehen sollten. Also haben sie geschwiegen. Ich könnte mir das zumindest vorstellen.

          2. Ja, Christiane, die Zeiten waren damals anders und auch meine Mutter hatte ihr Päckchen zu tragen. Sie hatte – wie man so schön heute sagt – einen Migrationshintergrund. Ihre Mutter war als lediges Mädchen von der Ukraine arbeitssuchend nach Deutschland gekommen und ist ihr Leben lang alleine geblieben, obwohl sie mehrere Kinder – u.a. meine Mutter – bekommen hat. Einen Vater dazu gab es nicht. Und meine Mutter hat bis ins hohe Mädchenalter ihre Mutter siezen müssen und hat selbst niemals offen zugestandene Zuneigung empfangen. Das gab es damals so einfach nicht. Mein Vater ist nach Kriegsverletzungen gestorben, als ich 14 war. Mit ihm konnte man auch nicht über solche Dinge sprechen, hat er – wie meine Mutter – auch nie gelernt.

          3. Ja, da war anderes wichtiger, Überleben zum Beispiel, das verstehe ich.
            Das mit dem Siezen erstaunt mich, das hätte ich selbst zu den Zeiten meiner Mutter (20-/30er-Jahre), schon für überholt gehalten, aber okay, in meiner Familie war es halt nicht so.
            Meine Mutter war Ostpreußenflüchtling, erst 48 nach Deutschland gekommen mit nichts als dem berühmten Koffer – aber gemeinsam mit ihrer Mutter …

  1. Eine Freundin meinte mal über ihr Sternenkind, dass er zwar nur kurz da war, aber bereits soviel Eindruck hinterlassen hat. Das hat sie getröstet. Aus egoistischen Gründen setzte ich mich derzeit aber lieber nicht zu intensiv mit dem Thema auseinander.

  2. Sehr traurige, aber berührende Zeilen. Aus der Frage „Treffe ich dich wieder?“ leite ich ab, dass du die Möglichkeit in den Raum stellst, dass es ein Leben nach dem Tod gibt, aber dich da nicht ganz festlegen willst, oder? Findest du den Gedanken daran eher tröstend oder befremdlich? Ich beschäftige mich ja öfters mit dem Thema und allein die Hoffnung darauf, dass ich Menschen, die ich verloren habe, eines Tages wiedersehen könnte (in welcher Form auch immer), hilft mir, den Schmerz des Verlusts zu ertragen.

    (Du musst die Fragen natürlich nicht beantworten, wenn sie zu persönlich sind. Es waren einfach nur Gedanken, die mir beim Lesen deines Gedichts in den Sinn gekommen sind.)

    Herzlichst,
    Emma

    1. Liebe Emma, als ich mit der Schule fertig war, hätte ich am liebsten Physik oder Chemie studiert. Aber das hat sich anders ergeben. Insofern habe ich mich immer mit dem Thema Materie befasst und schon immer darüber gestaunt, wie sich materielles Leben entwickelt hat und wie sich der Geist mit entwickelt hat oder sich angelehnt hat. Ich tendiere eher zu Letzterem und gebe deswegen die Hoffnung nicht auf, dass Alles irgendwie miteinander verwoben ist und einem tieferen Ziel folgt.

  3. Oh, das ist traurig. Ich glaube, ich würde sehr lange daran herumdenken, wie es hätte sein können und warum es nicht so war. Ich bin wirklich dankbar, dass wir heute viel mehr Möglichkeiten haben, über Dinge zu sprechen und sie zu reflektieren. Nur ein oder zwei Generationen vor uns hätten wir es nicht gelernt und geschwiegen. Ich frage mich oft, wo all das Weggeschwiegene wohl geblieben ist.

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