ABC-Etüden 16-17.22 – Parallelen


Links russische, rechts britische Soldaten: Szene aus dem Krimkrieg, der von 1853 bis 1856 tobt
 Foto: gemeinfrei – Sueddeutsche Zeitung

Parallelen

Die Geschichte zeigt, es gab und gibt immer wieder Auswanderungswellen. Das Sehnsuchtsland von dem die Deutschen träumten, war die „Neue Welt“, sprich Amerika. Zu einem Hotspot für die Ausschiffung zum nordamerikanischen Kontinent wurde mit Bremerhaven eine Stadt, die 1827 an der Wesermündung praktisch nur dafür aus dem Boden gestampft wurde. Den akribischen Aufzeichnungen in den Passagierlisten verdanken wir die zahlenmäßige Erfassung der Auswanderer: sage und schreibe sind in den Jahren 1820 bis 1889 knapp 7 Millionen Deutsche nach Amerika aufgebrochen. Weniger bekannt sind die Gründe für diese Flut von Menschen, die ihr Land verlassen haben: 1846 – ein Spitzenjahr der Emigration – wurde sehr stark durch klimatische Extreme beeinflusst. In jenem Jahr fiel der Sommer extrem heiß und trocken aus. Die Folgen waren massive Ernteausfälle und dadurch bedingt enorme Preissteigerungen für Getreide und Mehl. In den Jahren 1850 bis 1855 war eine der Ursachen ebenfalls in wetterbedingten Ernteausfällen zu suchen. Jedoch kam ein weiterer Faktor dazu: ein Krieg als Preistreiber für  Lebensmittel und andere Güter. Damals wie heute ein Krieg um die Krim. 1853 – 1856 wollte die Allianz zwischen Frankreich und England eine Machterweiterung Russlands nach Westen verhindern. Im Verlaufe des Krieges verhängte Frankreich einen Exportstopp für Weizen, von dem der deutsche Getreidemarkt schwerstens getroffen wurde. Die Folgen verspürten vor allem die  Armen und staatlicherseits wurden auf länger Aufstände der Bevölkerung befürchtet. Um das „soziale Gefüge“ und die „Ordnung“ nicht zu gefährden wurden vielfach Auswanderungsprämien ausgelobt, sprich die Gefahr sollte außer Landes verschoben werden. Wie man sieht mit Erfolg.

Wie wir weiter wissen, blieben die Auswanderer in ihrem neuen Zuhause im Herzen immer noch ihrer alten deutschen Heimat verbunden und versuchten, die überlieferten Sitten und Traditionen weiterzuführen. So auch die althergebrachten Kaffee- und Teezeremonien, die man, wenn zu Namen und Geld gekommen, weiter befolgte und wo den „erlauchten“ Gästen als Besonderheit Königskuchen angeboten wurde.

 

(300 Worte)

 

Deutsches Textarchiv – Praktisches Kochbuch für die Deutschen in Amerika. Milwaukee, 1879.

 

Deutsche Emigranten betreten um 1850 ein Dampfschiff in Richtung New York City.
Bildquelle: gemeinfrei – aus scinexx – Das Wissensmagazin

11 Comments

    1. Es sind immer nur Machtspiele: Russland will die Westflanke verschieben, die Nato will die Ostflanke verschieben.
      Interessant ist aber der sog. Krim-Krieg insofern, als hier vor Sewastopol seinerzeit der erste Stellungskrieg der Geschichte ausgefochten wurde und die erste richtige Materialschlacht.

  1. Die Zusammenhänge zwischen Klima, Politik im allgemeinen und Auswanderung im Besonderen sind sehr lehrreich. Lernen sollten wir daraus die große Bedeutung eines nötigen Wandels in der Umweltpolitik

  2. Ich frage mich, wohin „die Deutschen“ heute auswandern (würden). Ich frage mich das schon länger. 🤔
    Danke für den Königskuchen-Nachweis, so was begeistert mich ja immer. 🧡
    Mittagskaffeegrüße 🌤️🌼☕🍪🦋👍

      1. Ich hätte/hatte beide Länder nicht auf dem Schirm und bin überrascht, dass du überhaupt so konkret geantwortet hast, wenn ich ehrlich bin. Magst du kurz erklären, warum du dich so entscheiden würdest?
        Morgenkaffeegrüße 🌤️🌼☕🍪👍

        1. Ich kenne beide Länder Recht gut, weil ich längere Zeit dort beruflich tätig war und überhaupt im Herzen mehr Latino als Deutscher bin.
          Costa Rica hat mittlerweile den Ruf, ein weitgehend geschütztes Naturreservat zu sein und aufgrund der Bevölkerungsstruktur fühlt man sich dort gleich wohl. Hinzu kommt, dass Costa Rica eines der ganz wenigen Länder der Welt ist, was keine Armee hat. Wäre für mich weiterhin Traumland No. 2.
          Nummer 1 für mich Argentinien, weil das Land alles hat, von Patagonien im Süden über die riesige Pampa, Wüste im Norden, die Anden im Westen, Meer oim Osten, die Iguazu Wasserfälle, Mate Tee, Wein, die besten Steaks der Welt und vor allem tolle Menschen.

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