ABC-Etüden 16-17.22 – Le roi boit


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Gemeinfrei aus Wikimedia

Le roi boit

Königskuchen hört sich so pur deutsch an, als hätten wir ihn erfunden. Dabei kommt er aus Frankreich und blickt auf eine lange Tradition aus der Zeit römischer Besatzung zurück: die Wahl des Saturnalienkönigs. Ursprünglich nur verstanden als Fest zu Ehren Saturns, des Gottes der Bauern und des Ackerbaus. Über die Jahre wurde dieser Brauch jedoch mehr und mehr abgewandelt und „verweltlicht“, bis zuletzt bei dem Feste aus den Reihen der Lobpreisenden eine Person ausgewählt wurde, welcher quasi stellvertretend und temporär die Ehre eines Königs übertragen wurde. Der Auserwählte durfte einen Hofstaat für sich auswählen und das feiernde „Volk“ musste ihm alle seine Wünsche erfüllen, von denen er geträumt hatte und die er äußerte. Die Tradition wollte es  – und so wurde es später dann in Frankreich auch weitergeführt -, dass, wenn der König trank, alle Anwesenden laut rufen mussten „Le roi boit! Der König trinkt!“ Akribisch wurde aufgepasst, dass ein Jeder sich diesem Hochruf anschloss. Wer es versäumte, wurde bestraft.

Die Wahl des Saturnalienkönigs – oder auch Bohnenkönig benannt-, erfolgte entweder durch Los oder traf denjenigen, der in seinem Stück „Königskuchen“ eine Bohne fand.

Von Frankreich wiederum gelangte das Bohnenfest nach England und auch in die Niederlande, nach Belgien  und Deutschland, wo es jedoch regional ganz unterschiedlich gefeiert wird.

In Königsberg zum Beispiel wurde an Kants Geburtstag anlässlich des sog. Bohnenmahles ebenfalls ein Bohnenkönig gewählt, der bei der nächsten Feier die Festrede zu halten hatte.

Die Bohne aus reinem Silber wurde üblicherweise im Nachtisch versteckt. Allerdings nicht wie beim Original in einem Kuchen, sondern damals in Ostpreußen in einer Crème Brûlée.  Heutzutage verlegt nach Halle, jeweils am 22. April, da Königsberg nach dem WK II und der Unabhängigkeit der Baltischen Staaten zur russischen Enklave Kaliningrad wurde.

 

(286  Worte)

 

Siehe auch:

https://www.campus-halensis.de/artikel/kant-zu-ehren-eine-silberbohne-im-dessert/?cok

9 Comments

  1. Interessant, lieber Werner, du verkürzt zwar ziemlich, aber ich habe mich gerade mal durch diverse Links geklickt, die ich sonst allesamt nicht angefasst hätte, vielen Dank! 👍 Etüden bilden, zweiter Teil 😉
    An Kants Grab habe ich selbst schon mal gestanden, das war vor knapp 30 Jahren, wie die Zeit vergeht! Hach ja.
    Nachmittagskaffeegrüße 🌤️🌼☕🍪🦋👍

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