ABC-Etüden 38-39.2022 – Wenn der Hahn kraeht auf dem Mist


Bild von Etienne auf Pixabay 

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist

„Hertha,

der Mann mit dem Gras ist da!“

„Der Mann mit dem Gras ist da?

Du hast heute wohl zu heiß gebadet

in der Regentonne,

die über den Tag in der Sonne stand?

Oder ist dir sonst was

über den Kopf gerannt?“

„Ich hab doch richtig hingeschaut,

ganz sicher hab ich‘s gesehen:

in seiner behaarten Linken

die Halme schwanken sensibel

hin und her

und winken zum Verzehr!

Ich kräh ihn zur Begrüßung an,

den armen krummen Mann.

Jeden Tag macht er sich soviel Müh,

füttert uns mit Gras,

so grün und ach so zart.

Man meint, es mächt‘ ihm Spaß.“

„Der will doch nur,

dass wir schöne Eier legen,

die er dann glasig braten kann!

Merkst du‘s denn nicht?

„Melken“ will er uns,

statt seine alte Kuh!“

„Ich bleibe unverzagt,

bin schließlich hier der Chef

und bestimme,

wer was darf

und wem ich trau!

Auch wenn es dir nicht passt:

Hertha,

der Mann mit dem Gras ist da!“

(158 Worte)

Bild von Andreas Pflug auf Pixabay  

Anmerkung:

Wie viele von meinen Lesern wissen, entstehen meine Gedichte und Geschichten oftmals während meiner täglichen Runden mit meiner sensiblen Schäferhündin HAIKA. So auch diese. Und das war so: auf diesen Runden sammele ich regelmäßig auch irgendetwas Futterbares für unsere weiteren „Haustiere“  ein, d.h. Hagebutten (oder im Moment Vogelbeeren) für den Papagei, der seit über 50 Jahren Untermieter bei uns ist, oder für die 8 Hühner, die unser jüngster Sohn mit Frau auf unserem Grundstück, wo wir gemeinsam wohnen,  halten.

Wenn ich weggehe, dann sind die Hühner ganz gelassen und tun so, als ob sie es nicht merken würden.  Glotzen blöd die Regentonne an und tun ganz uninteressiert. Aber wenn wir (Hund und ich) dann zurück kommen, dann stehen sie schon am schwankenden Zaun ihres  Geheges und gackern in freudiger Erwartung, was da kommt. Bis vor 4-6 Wochen waren es die vom Feld gemopsten Maiskolben (noch weich und saftig). Aber jetzt, wo der Mais abgetrocknet ist, kann ich ihnen die harten Kolben nicht mehr vorwerfen. Ersatzweise allerding eingesammeltes Fallobst, und nach dem Regen jetzt das ganz frisch gesprießte so unendlich zarte und weiche Gras.

So auch heute: der Beutel war voll, der Hahn sieht uns kommen und stimmt lauthals in seine Begrüßung ein. Henning heißt er. Und das eine Huhn, das schon mal gegluckt hat und die eifrigste (und rabiateste) Pickerin ist, heißt Hertha.

Und irgendwie kam mir in den Kopf, dass Henning „Der Mann mit dem Gras ist da“ gerufen hätte.

Das ging mir dann nicht aus dem Kopf und schlug immer wieder einen Bogen zu dem alten Berliner Lied „Mutter, der Mann mit dem Koks ist da“, was ich schon als Kind in Delmenhorst kannte. Das ist dann der Ansporn gewesen, nicht, das Lied zu kopieren oder zu verändern, aber die ersten und letzten Zeilen dazu anklingen zu lassen.

Weitere Info:

Wer das Lied nicht kennt, mag den Text hier nachlesen. Er passt so ganz wunderbar auch in unsere aktuelle Zeitlage mit der Energiekrise und man könnte fast meinen: ändern sich die Zeiten denn nie?

https://de.wikipedia.org/wiki/Mutter,_der_Mann_mit_dem_Koks_ist_da#Text_des_Lieds

Und unverhofft finde ich dann auch noch ein unveröffentlichtes Making Of von einem meiner Lieblingssänger, nämlich FALCO:

FALCO – Making Of – Mutter, der Mann mit dem Koks ist da + Interview | UNVERÖFFENTLICHT

Titelbild von Pretty Sleepy Art auf Pixabay

16 Comments

  1. Wenn der Zaun schwankt, dann ist aber Handeln angesagt 😉
    Ich mag die Fotos und die Geschichte dazu sehr. Finde ich sehr nachvollziehbar, dass ihr erwartet werdet, die Biester sind ja schließlich alles andere als blöd 😉
    Ob es aber stimmt, dass dem einen sein Gras dem anderen sein Koks ist, wage ich nicht entscheiden 😉
    Abendgrüße 🌅🍃☕🍪👍

  2. hab sie vor mir gesehen, die Hertha und ihren Hahn…wunderbar! Meine Oma hatte auch Hühner, mein Opa hatte ihnen ein Hühnerhaus gebaut, das vorneraus Fenster hatte. Die Fenster stammten aus einem Abrisshaus, die Leute damals haben immer die Sachen wiederverwertet, wo es ging. Heute wird das ja wieder modern. So hatten die Hühner eine Villa mit Ausblick in den Garten. Danke für deine Geschichte, das hat grade eine ganze Flut von Erinnerungen bei mir ausgelöst!

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