ABC-Etüden 42-43.2022 – Qui nescit dissimulare nescit regnare


Bildinfo: Public domain, via Wikimedia Commons

Qui nescit dissimulare nescit regnare!

 

„Ist Er Henri de Vigne?“

„Wer begehrt das zu wissen, ohne sich selbst vorgestellt zu haben?“

„Sei Er nicht so hochnäsig, sondern eher ehrfurchtsvoll! Ich bin ein Sendbote des Französischen Königs mit einer Order für Ihn!“

„Gnädiger Herr, verzeiht meine Unbedarftheit, aber hätten Sie sich doch eher zu erkennen gegeben. Ihre Kleidung ist eher nicht so pompös, wie wir einfachen Leute uns das vom Hofe vorgestellt haben. Aber womit kann ich dienen?“

„Auf Kleidung und Äußerlichkeiten gebe ich nichts. Die Inneren Werte und die Innere Schönheit ist das Einzige was wirklich zählt. Und die kann man nicht wechseln wie die aktuelle Mode es gerade verlangt und man sich mit irgendwelchem Tand der Lächerlichkeit preisgibt. Aber zur Sache: Er soll nach unseren Information ein begnadeter Tischler sein, der seine Werke so gestaltet, als würden sie mit den Menschen sprechen und ihnen Werte wie zeitlose Eleganz, Gediegenheit und Harmonie vermitteln.“

„Wenn ich Sie da unterbrechen darf, Edler Herr. Ja, das ist mein Trachten: die Form muss vollendet sein und auf ewig dem Auge durch Anwendung des Goldenen Schnittes schmeicheln. Wie Ihnen sicherlich bekannt ist, hat selbst der Große Euklid in der Antike sich hierzu trefflich geäußert.“

„Henri de Vigne, ich glaube, da hat der König ein Glückslos mit Ihm gezogen: zu seinem Geburtstag im kommenden Jahr wünscht er sich nämlich einen edlen Tisch, um wetterunabhängig in seinem renovierten Schloss dem neuen Billard-Spiel nachgehen und sich perfektionieren zu können. Aber es gibt eine strikte Auflage: die Übergabe muss zwingend am 3. Juli 1470 erfolgen, seinem 47sten Wiegenfeste. Und wie Er sicherlich weiß ist die 47 die Engelszahl, die besagt, dass Sein Schutzengel ihn ermutigt und unterstützt und sich für Seine persönliche spirituelle Entwicklung und Erleuchtung einsetzt. Alles sooo wichtige Aspekte für den König! Also mache Er sich unverzüglich an die Arbeit!“

 

(298 Worte)

 

 

Bildinfo: Adriaen van de Venne. Public domain, via Wikimedia Commons.

15 Comments

  1. Finde ich super, dass du dich in die Geschichte des Spiels und der Tische gestürzt hast, lieber Werner, aber was zum Teufel ist die Engelszahl – und hatte der edle König eine spirituelle Ader? Ein wirklich netter Mensch scheint Louis XI. ja nicht so richtig gewesen zu sein, siehe auch das Zitat. Danke für den Link noch dazu!
    Etüden bilden, aber so richtig!!! 👍👍👍 Toll.
    Mittagskaffeegrüße ⛅🍁🌻☕🍪👍

    1. Na, um ehrlich zu sein, weiss ich nicht, ob der Ludwig an Zahlenmystik geglaubt hat. Aber ich kann mir vorstellen, dass solche Themen bei Hofe durchaus in der Zeit angesagt waren. Lasst mir bitte auch ein wenig „dichterische“ Freiheit.

      Und ja, Büldung ist wichtig!

    1. Ein wenig gemixt: Tatsachen (der Tischler, der Auftrag, der Hintergrund: Billard wurde zunächst im Freien gespielt und dann nach und nach nach innen verlagert) und ein wenig Hinzugegachtes: die 47.

      Danke und Gruß Werner

  2. Mir gefällt deine Schreibidee und war gleich „im Film“. Kann schon sein, dass der Konsum der alten Mantel- und Degenfilme mit ihrer speziellen Sprache Einfluss hat, wie schnell man von deiner Geschichte erfasst wird. 🙂

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