ABC-Etüden 12-13-2020 – Soziale Kontakte


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Link zu Christianes Schreibeinladung

 

 

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Soziale Kontakte

„Was interessieren mich denn die Forsythien von Frau Jakobs von nebenan und ob die schon blühen oder nicht. Ist mir auch vollkommen egal, ob die Blüten erfrieren, wenn noch einmal ein Frosteinbruch kommt. Gerda, wichtig ist doch nur, dass du nicht mehr den lieben langen Tag mit ihr und ihrer schwangeren Tochter am Gartenzaun stehst und über alle möglichen Nachbarn tratscht! Mein Gott, Corona beherrscht die Welt und in Österreich haben sie gerade die Versammlung von mehr als fünf Personen verboten! Und ihr redet darüber, wie lächerlich Frau Mix in ihrem viel zu kurzen Kleid aussieht!“

 

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„Aber Hermann, was sollen wir denn sonst machen? Jetzt wo die Schulpflicht bis nach den Osterferien unterbrochen ist, muss man sich doch ein wenig zerstreuen! Man wird ja sonst ganz rammdösig von Corona, Corona, Corona! Wir dürfen ja jetzt nicht mal mehr in den Schwarzwald zu unseren Kindern fahren und die Enkel betreuen, weil wir Risiko-Gruppe sind! Also nur noch im Hause sitzen und deine schlechte Laune ertragen? Nee, dazu habe ich auch keine Lust! Lies du man weiter Zeitung in deinem dämlichen Computer! Der ist dir ja sowieso lieber, als sich vernünftig mit mir zu unterhalten! Seit du den Kurs gemacht hast, bin ich doch offensichtlich nur noch Luft für dich! Du frühstückst am Computer, sitzt den ganzen Tag dran, und abends gehst du auch erst um elf ins Bett, wenn ich schon lange schlafe. Soziale Kontakte haben wir beide doch schon lange nicht mehr!“

(242 Worte)

Die zwei vorstehenden Bilder von mohamed Hassan auf Pixabay

 

 

15 Comments

  1. Gekonnt erzählt, lieber Werner, wenngleich sehr „geschlechtsspezifisch“, um es milde auszudrücken: die Frauen klatschen und tratschen und der Mann hockt am Computer und verweigert ordentliche Gespräche. Was den Computer angeht, so ist es bei uns umgekehrt. da meckert mein Mann, dass ich zu lange dran sitze. Und die Sozialkontakte in der Gegend, die unterhält eher mein Mann. …
    Liebe Sonntagsgrüße! Gerda

  2. Daran habe ich auch schon gedacht, was diese Situation für Menschen, speziell Frauen, bedeuten mag, die mit ihren Nächsten aus den unterschiedlichsten Gründen nicht gut klar kommen und jetzt mit ihnen zusammengepfercht werden. Das gibt Mord und Totschlag, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Bei dir ist das alles ja noch witzig und die Welt einigermaßen in Ordnung …
    Liebe Grüße
    Christiane 😁🌞☕👍

  3. Menschen müssen sich wieder an ein Miteinander gewöhnen, die sich zu normalen Zeiten mit Arbeitsleben etc. nur wenige Stunden am Tag sehen, und selbst dann oft noch „gepuffert“ durch Besucher oder anderswo in Gesellschaft, da ist Reibung selbst bei Paaren vorprogrammiert, die sich eigentlich ganz anders eingeschätzt hätten. Es ist eine ähnliche Situation wie bei den klassischen Urlaubsstreitereien, nur mit einem Quäntchen mehr Zwang.

  4. Da stehen uns ja coronamäßige Zeiten bevor, wenn das so weitergeht und die häusliche Gemeinschaft mit nachbarschaftlichen Interessen kollidieren wird, ui ui ui… 😉 .

  5. Sowas finde ich ja traurig. Ich finde, das menschliche Miteinander ist das einzig Gute am Virus. Viele rücken näher zusammen, wenn auch teils nur virtuell oder gedanklich. Trotzdem schön eingefangen. 😉

    1. Traurig bestimmt. Aber trotzdem ziemlich real, es gibt Studien darüber, dass „alte“ Ehepaare teilweise nur 10 Minuten am Tag miteinander reden. Als mein Mann vor Jahren teilweise seinen Außendienst aufgeben konnte, weil vieles über Fernwartung machbar wurde, war unsere Befürchtung auch zunächst, dass es unserer Ehe schaden könnte. Denn jahrelang hatten wir uns oft nur am Wochenende gesehen. Aber es hat gut geklappt. Wir können lange Gespräche führen oder stundenlang (gemeinsam) schweigen. Aber wir sitzen ja auch nach wie vor in unterschiedlichen Büros bei uns im Haus. Anders ginge es gar nicht, weil wir oft gleichzeitig telefonieren müssen.
      Du hast aber vollkommen recht, auch wenn viel Beziehungsarbeit augenblicklich nur per Telekommunikation möglich ist, ist es notwendig, in Kontakt zu bleiben und eventuell sogar zu intensivieren.

  6. Na endlich finde ich hier eine Stelle, wo ich meinen Kommentar hinterlassen kann – bin ich etwa blind geworden vom Virus, dass ich bei den anderen Beiträgen nix gefunden habe. Also ich finde Deine Beiträge sehr humorig, unterhaltsam, animierend. Werd mich schon noch durchlesen, da hab ich aber was zu tun…. 😉

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