ABC-Etüden 14-15.21 – Lügen haben kurze Beine


Link zu Christianes Schreibeinladung

Quelle: Internet – gemeinfrei

Lügen haben kurze Beine

Zwei Tage hatte Jesse James hinter dem schützenden Vorhang aus Wasser verbracht. Er wollte ganz sicher gehen, dass er nicht wieder Doc Holiday und Django Silberlocke in die Hände lief. Zwischendurch hatte er wiederholt seine schmerzenden und von blutigen Striemen überkrusteten Unterarme massiert. „Schuld ist dieses verdammt grobe Bondageseil, mit den sie mich gefesselt hatten!“, knurrte er vor sich hin.

Plötzlich sah Jesse eine Gruppe von drei Reitern schräg rechts vor sich und hätte fast laut losgelacht: „Was sind denn das für Witzfiguren! Reiten mit Sonnenhüten durch die Wüste. Bestimmt diese unverbesserlichen amish people, die sich nach hier verirrt haben.“ Jesse grinste breit: “Vor denen brauche ich mich ja wohl nicht zu verstecken.“, murmelte er und trat ins Freie, um sie anzusprechen. Plötzlich bemerkte er weitere Reiter vor und hinter sich, die ihn umzingelten. Und so langsam ging ihm ein Licht auf, als offensichtlich der Anführer von ihnen ihm zurief: „Ola, amigo, me reconoces? Kannst du dich noch an mich erinnern?“ Jesse war blass geworden, aber er fasste sich schnell. „Nein, woher sollte ich euch kennen? Nach dem Walla-Walla-Massaker bin ich drei Jahre lang Gefangener der Cayuse-Indianer gewesen und denen jetzt entkommen. Hier, seht nur meine von den Fesseln geschundenen Hände! Ich will zurück in den Osten. Bitte helft mir. Leiht mir ein Pferd und ich werde euch dann später reichlich entlohnen!“

Jesse setzte seinen Dackelblick auf. Aber der Anführer der Mexikaner brach nur in ein schallendes Gelächter aus: „Ich habe noch nie jemanden so haltlos lügen gehört, wie dich, amigo! Das Walla-Walla-Massaker war im November `47. Und jetzt schreiben wir das Jahr 1874. Was soll also an deiner Story stimmen, maldito sinvergüenza y asesino! Meine Schwester hast Du umgebracht, verfluchter Mörder! Weißt du noch? Der Überfall auf den Rock-Island-Zug in Aldair im letzten Jahr? Du solltest jetzt lieber beten!“

(300 Worte)

Bildquelle: Nancy Greifenhagen – von mir verändert

13 Comments

  1. Das nennt man wohl vom Regen in die Traufe geraten. Jetzt bin ich aber wirklich gespannt, wie er da wieder herauskommen wird – denn ich gehe davon aus, dass du das planst 😁👍
    „Haltlos lügen“ ist auch fein, ich suche gerade auch nach Möglichkeiten … 😉
    Morgenkaffeegrüße, frostig 😁🌥️☕🥐👍

  2. O weia, armer Jesse. Ist zwar ein Mörder, aber nun, irgendwie tut er mir ja doch leid. Hat die Schwester des Mexikaners umgebracht? Dann soll er ruhig hängen. Andererseits…..

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